Das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit ist ein kontroverses Thema an der Schnittstelle von Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie und Metaphysik. Aus sprachphilosophischer Perspektive berührt es die Frage, woher sprachliche Ausdrücke und Begriffe ihre Bedeutung erlangen. Aus metaphysischer und erkenntnistheoretischer Perspektive begründet es den anhaltenden Streit darüber, ob es eine sprach- und denkunabhängige Realität gibt und wie wir gegebenenfalls von ihr wissen können. Die traditionelle Annahme ist, dass Sprache und Wirklichkeit in einem Verhältnis der Korrespondenz zueinander stehen: Mittels sprachlicher Formulierungen treffen wir Aussagen über die Welt, die genau dann wahr sind, wenn sie den weltlichen Tatsachen entsprechen, und falsch genau dann, wenn sie ihnen nicht entsprechen. Dieser klassischen Vorstellung stehen philosophische Auffassungen gegenüber, nach denen das, was wir Realität nennen, ganz oder teilweise erst durch unsere Sprech- und Denkakte konstruiert wird oder zumindest nur so weit erkannt werden kann, wie es uns in unseren sprachlichen und gedanklichen Repräsentationen erscheint.

In dem Seminar werden wir die sprachphilosophischen, erkenntnistheoretischen und metaphysischen Dimensionen der Frage nach dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit sowohl auf allgemeiner als auch auf speziellerer Ebene beleuchten. Auf allgemeiner Ebene werden wir verschiedene Bedeutungs- und Wahrheitstheorien in ihrem Zusammenhang mit realistischen und antirealistischen Positionen bezüglich der Existenz und Erkennbarkeit der Außenwelt diskutieren. Auf speziellerer Ebene werden wir einige Teilbereiche des Sprache-Wirklichkeit-Nexus näher untersuchen, etwa im Kontext der Debatten um den wissenschaftlichen und den ethischen Realismus, die sich um die Semantik wissenschaftlicher bzw. moralischer Aussagen sowie um die Realität der in ihnen behaupteten Tatsachen drehen.