Gewaltästhetisierung - Bilder der Gewalt zwischen Trauma und Verharmlosung
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Triggerwarnung: Das Seminar untersucht (mit größtmöglicher Behutsamkeit) Bilder, die sich mit verschiedenen Gewaltformen beschäftigen. Im Fokus steht hierbei vor allem sexuelle Gewalt.
Dass der weibliche Akt in der Kunstgeschichte zur Projektionsfläche einer sexistischen Gesellschaftsstruktur wird, dürfte nicht sonderlich verwundern. So beschreibt Nanette Salomon in Ihrer Untersuchung zu den Unterlassungssünden des Kanons dies bereits am Beispiel der Venus pudica, wenn sie den Gestus des Verbergens (und der damit einhergehenden Betonung) des Intimbereichs dieser Figur als „natürlich internalisiert” beschreibt und feststellt, dass wir hiermit nicht länger „die Geschichte von Furcht, die eine Frau ausdrückt, die ihre Scham vor einem gewalttätigen Angriff zu schützen sucht” verstehen, sondern die Venus pudica „für uns zum Inbegriff von Ästhetik und Kunstfertigkeit geworden” ist (Salomon, Unterlassungssünden, 1993: 232). Es lässt sich in der Inszenierung der Venus pudica, sowie von Szenen (sexualisierter) Gewalt, demnach ein Verschwinden der Auswirkung von Gewalt, von Bedrohung zugunsten von Sinnlichkeit und Kunstfertigkeit beobachten. Vielmehr noch, es kommt zu einer Ästhetisierung: Gewalt wird beizeiten zum Katalysator von Sinnlichkeit, sie steigert den erotischen Gehalt.
In dem Begriff der Ästhetisierung liegt zugleich eine Wertung, der Vorwurf einer gewissen Verharmlosung von Gewalt. Besonders augenscheinlich wird dies auch in sogenannten Raptusgruppen, also der Darstellung von Entführungen, die sexueller Gewalt zumeist vorausgehen.
Im Seminar interessieren uns jedoch auch weitere Formen von Gewalt und wir werden uns Fragen nach deren Inszenierung, Verharmlosung und der formalen Umsetzungen stellen.
Gerne können Sie auch selbstständig Werkbeispiele einbringen!
- Trainer*in: Lena Horn