Medien|Wissen. Medienwissenschaft und Wissenschaftsforschung
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Wenn ChatGPT scheinbar mühelos akademische Essays verfasst, Gedichte kreiert oder komplexe Sachverhalte erklärt – was bedeutet dies für unsere Konzeption von Wissen? Large Language Models (LLMs) repräsentieren eine fundamentale epistemologische Herausforderung: Sie synthetisieren immense Textkorpora zu neuen Aussagen, deren Entstehungsbedingungen sich der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit entziehen. Was hier als „Wissen“ erscheint, ist weder das Resultat klassischer wissenschaftlicher Methodik noch bloße Reproduktion, sondern emergiert aus der algorithmischen Verarbeitung massiver Datenbestände – eine medientechnologische Transformation, die die Grenzen zwischen Wissensproduktion und -vermittlung radikal verschiebt.
Das Seminar nimmt dieses zeitgenössische Phänomen zum Ausgangspunkt einer breiteren Exploration medienepistemologischer Fragestellungen. Im Zentrum steht die These, dass Wissen nicht einfach medial vermittelt, sondern grundlegend durch Medien konstituiert wird. Von Rheinbergers „Experimentalsystemen“ über Foucaults Diskurs- und Dispositivanalysen bis zu Didi-Hubermans Untersuchungen von Charcots Hysteriefotografie lässt sich nachzeichnen, wie Medientechnologien, Aufschreibesysteme und Wissensarchitekturen nicht nur als neutrale Übermittler fungieren, sondern epistemisch produktiv werden und bestimmen, was überhaupt als Wissen gelten kann.
Die Science and Technology Studies und eine kritische Medientheorie liefern das theoretische Instrumentarium, um diese komplexen Verflechtungen zu analysieren. Gemeinsam erforschen wir, wie technische Systeme – von frühen wissenschaftlichen Instrumenten bis zu gegenwärtigen KI-Architekturen – unsere Erkenntnisweisen prägen, Wissensformationen transformieren und neue epistemische Praktiken hervorbringen.
Besonderes Augenmerk wird auf die Entwicklung analytischer Fähigkeiten gelegt, die es ermöglichen, die medialen Bedingtheiten wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse zu untersuchen. Die Teilnehmenden werden dazu angeregt, die materielle und technologische Basis der Wissensproduktion kritisch zu reflektieren und dabei auch die eigene wissenschaftliche Praxis zu hinterfragen.
BN-Voraussetzungen:
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- Trainer*in: Maximilian Haberer