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Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein - und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen [.]."  Mit diesem Tweet verabschiedete sich 2019 Grünen-Vorsitzende Robert Habeck von der Social Media Plattform Twitter, der kurze Zeit später auch seinen Facebook Account gelöscht haben sollte. Interessant an seiner Begründung ist nicht nur die (hier unliebsam erfahrene) Erkenntnis, über Twitter zirkulieren vor allem Emotionen (in diesem Fall Aggressionen), auch die Architektur generiere und strukturiere eben jene Affekte mit. Tatsächlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass über Twitter hinaus fast alle Social Media-Seiten "affektgetriebe" Medien (Reckwitz) sind, auf und mit denen Gefühle sichtbar ausgestellt und zu Motoren kommunikativer Medienpraktiken werden. Bezeichnungen wie Shitstorm oder Candystorm betiteln dabei zwei extreme Dynamiken einer Affektkommunikation im digitalen Raum und markieren zugleich ihre soziale Funktion: So können affektive Medienpraktiken einerseits in öffentliche Diskurse intervenieren und eine transnationale Empathie und Solidarität lostreten (BLM, #Me Too), andererseits als Hate Speech und Public Shaming Menschen und Institutionen ausgrenzen, diffamieren sowie - im Falle von Amanda Todd - in den Suizid treiben.  Im Seminar wollen wir soziale Medien als Affekt- und Gefühlsmaschinen untersuchen. Neben der gesellschaftlichen und politischen Dimension digitaler Affektkommunikationen - die sich bereits im bloßen Ausstellen von Emotionen wiederfinden, als eine Form des Sich-Verletzbar-Machens - wollen wir jenseits von Repräsentationsdebatten Soziale Medien auf ihre affektive Struktur untersuchen. Dabei bedienen wir uns an der Kino- und Fernsehforschung (Shaviro / Kavka), da eine einschlägige Affekttheorie für den digitalen Raum bis dato fehlt. Vor allem Begriffe wie die des Körpers und der Intimität sollen hier untersucht und auf mögliche Neujustierungen befragt werden. Zugleich wollen wir unseren Blick erweitern und Gefühle als Ware (Illouz) und Kapital (Negri) perspektiveren sowie nicht zuletzt als Gegenstand von Regierungstechniken (Massumi).

Selbsteinschreibung (Teilnehmer*in)
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