- Profesor: Tomy Brautschek
"Sounds of War". Klangkultur im Kriegsgebiet Kopie 1
Die gegenwärtige Lage in der Ukraine und im Nahen Osten zeigt, dass Kriegsstrategien und (kultur-)politische Konflikte immer auch medienakustisch bedingt werden, seien es die stimmlichen Medialisierungen der Politiker*innen durch Lautsprecheranlagen, Rundfunk und Fernsehen sowie die damit verbundene Zwangsbeschallung der Bevölkerung, seien es Kriegslieder, die Stigmatisierung „entarteter“ Musik, Lärm als Folterinstrument oder martialische Fanfarenstöße und Marschschritte. Auch Abhörpraktiken, Sirenen, Warnsignale, Trommelfeuer und Explosionen formen jeweils sonische Signaturen eines Krieges, wie es auch zuletzt die wachsende Bedrohungslage durch Hyperschallwaffen im Ukrainekonflikt belegt. Gleichzeitig lösen Kriege aber auch medientechnische Innovationsschübe aus und bilden nach Friedrich Kittler die „Medienbasis unserer Sinne“. So bestimmen etwa Stereo, Tonband oder Vocoder als Kriegstechnologien den rock- und popmusikalischen Sound der Vergangenheit und Gegenwart. Im Seminar wollen wir daher einen Einstieg in den Diskurs der akustischen Kriegsführung wagen und gezielt die medienkulturellen Dispositive in den Blick nehmen, die mit Gewalt in das kollektive Gedächtnis vorgerückt sind und es oft auch traumatisch besetzen.
- Profesor: Tomy Brautschek
"The World is Yours". Die Kultur des HipHop zwischen Globalisierungsprozessen und lokalen Aneignungspraktiken
Im Seminar beschäftigen wir uns mit der vielschichtigen Welt des HipHop als globales Zeichensystem und lokal verankerter Kultur. Anhand theoretischer Ansätze und konkreter Fallbeispiele untersuchen wir, wie HipHop weltweit durch Globalisierungsprozesse geprägt wird und gleichzeitig Raum für kreative Aneignungen und Widerstandsformen in lokalen Kontexten bietet. Themen wie Identität, Cultural Appropriation, politische Ausdrucksformen, Urbanität und Medienpraktiken stehen im Fokus. Das Seminar lädt dazu ein, die kulturelle Dynamik des HipHop interdisziplinär zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.
- Profesor: Elfi Vomberg
„Spectacular! Spectacular!“ – Pop-Märchen als Musical-Verfilmungen Kopie 1
Filmmusicals sind Affektbeschleuniger: Schillernde Choreografien
wechseln sich mit hochemotionalen Gesangseinlagen ab, reißen mit und
triggern die Emotionen. Doch dieses Affektkino sprengt jeden
Referenzrahmen klassischer Filminterpretation, denn es ist von allem
etwas zu viel da: zu viel Farbe, zu dick aufgetragene Emotionen, zu
eindeutige Inszenierungen. Doch der Erfolg gibt dem Filmmusical nicht
erst seit La La Land Recht. Das Seminar gibt eine erste Einführung in
zentrale Entwicklungen des Filmmusicals. Unter anderem anhand der
Beispiele La La Land (2016), Cats (2019), West Side Story (2021) und
Wicked (2024) soll analysiert werden, wie sich Tanzperformances und
musikalische Inszenierung des Films gegenseitig befördern und wie sich
der Musicalfilm aktuell in einer sich wandelnden Filmlandschaft
positioniert.
- Profesor: Manon Havemann
Musikfilme im Kontext von Inter-/Transkulturalität
Fiktionale und nicht-fiktionale Musik filme bieten ein breites Spektrum an Formen, Formaten und Themen. Musikvideos, Konzertfilme oder Biopics bilden nur einen kleinen Ausschnitt für die Vielfalt musikfilmischer Bezugsfelder. In Musikfilmen werden jedoch nicht nur Musikkulturen, Bands und Musiker:innen vermittelt, sondern es geht auch um interkulturelle und transkulturelle Identitätsbildungsprozesse. Das Seminar widmet sich anhand ausgewählter Filmbeispiele diesem Phänomen.
- Profesor: Carsten Heinze
"A star is born": Star-Image und Identitätsbildung in Pop- und Rockmusikfilmen
Dokumentarische und
fiktionale Musikfilme erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie sind für die
globale Verbreitung und Vermittlung von Pop- und Rockmusik sowie die Bildung
von Star-Images von Bedeutung. Zugleich finden in Pop- und Rockmusikfilmen
Identitätsbildungsprozesse statt, so dass diese als kulturelle Texte ebenso
Fragen der Differenzierung und Diversität berühren. Das Seminar setzt sich
konzeptionell und empirisch mit Geschichte und Theorie des Musikfilms
auseinander.
- Profesor: Maximilian Haberer
Medien|Wissen. Medienwissenschaft und Wissenschaftsforschung
Wenn ChatGPT scheinbar mühelos akademische Essays verfasst, Gedichte kreiert oder komplexe Sachverhalte erklärt – was bedeutet dies für unsere Konzeption von Wissen? Large Language Models (LLMs) repräsentieren eine fundamentale epistemologische Herausforderung: Sie synthetisieren immense Textkorpora zu neuen Aussagen, deren Entstehungsbedingungen sich der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit entziehen. Was hier als „Wissen“ erscheint, ist weder das Resultat klassischer wissenschaftlicher Methodik noch bloße Reproduktion, sondern emergiert aus der algorithmischen Verarbeitung massiver Datenbestände – eine medientechnologische Transformation, die die Grenzen zwischen Wissensproduktion und -vermittlung radikal verschiebt.
Das Seminar nimmt dieses zeitgenössische Phänomen zum Ausgangspunkt einer breiteren Exploration medienepistemologischer Fragestellungen. Im Zentrum steht die These, dass Wissen nicht einfach medial vermittelt, sondern grundlegend durch Medien konstituiert wird. Von Rheinbergers „Experimentalsystemen“ über Foucaults Diskurs- und Dispositivanalysen bis zu Didi-Hubermans Untersuchungen von Charcots Hysteriefotografie lässt sich nachzeichnen, wie Medientechnologien, Aufschreibesysteme und Wissensarchitekturen nicht nur als neutrale Übermittler fungieren, sondern epistemisch produktiv werden und bestimmen, was überhaupt als Wissen gelten kann.
Die Science and Technology Studies und eine kritische Medientheorie liefern das theoretische Instrumentarium, um diese komplexen Verflechtungen zu analysieren. Gemeinsam erforschen wir, wie technische Systeme – von frühen wissenschaftlichen Instrumenten bis zu gegenwärtigen KI-Architekturen – unsere Erkenntnisweisen prägen, Wissensformationen transformieren und neue epistemische Praktiken hervorbringen.
Besonderes Augenmerk wird auf die Entwicklung analytischer Fähigkeiten gelegt, die es ermöglichen, die medialen Bedingtheiten wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse zu untersuchen. Die Teilnehmenden werden dazu angeregt, die materielle und technologische Basis der Wissensproduktion kritisch zu reflektieren und dabei auch die eigene wissenschaftliche Praxis zu hinterfragen.
BN-Voraussetzungen:
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- Profesor: Oliver Kröner
Mediale Figuren: Ontologie, Identifikation und Rezeption
Figuren stellen einen wichtigen Bestandteil medialer Unterhaltungsformen dar. Sie stehen nicht nur oftmals im Fokus der fiktiven Geschichten, die Filme, Fernsehserien, Videospiele und andere zeitgenössische Medien (z.B. Webvideos) erzählen, sondern ermöglichen den Zuschauern den emotionalen Zugang zu diesen Geschichten. Dieses Seminar untersucht fiktionale und nicht-fiktionale Figuren im Kontext verschiedener Medien (z.B. Literatur, Comicbücher, Fernsehen, Film, Videospiele). Im Rahmen des Seminars werden wir die Ontologie von Medienfiguren mit einem besonderen Augenmerk auf bestimmte Figurentypen (z.B. Held, Bösewicht, Antiheld) analysieren. Wir werden zudem beurteilen, wie Figuren mit anderen narrativen Aspekten (z.B. Ästhetik, Erzählstruktur) interagieren und erörtern, inwieweit sich Figuren aus verschiedenen Medien ähneln bzw. unterscheiden. Nachdem wir uns mit verschiedenen theoretischen Ansätzen zur Figurenforschung (z.b. parasoziale Beziehungen, Fokalisierung) auseinandergesetzt haben, werden wir ein breites Spektrum medialer Figuren aus verschiedenen Medien und Genres (z.B. klassisches Hollywoodkino, Reality TV, Wrestling, Zeichentrickserien, Videospiele) gemeinsam erforschen.
Neben ontologischen Fragen stellt die Rezeption von Medienfiguren einen weiteren Schwerpunkt des Seminars dar. Basierend auf Forschungsansätzen aus der Literaturwissenschaft, der kognitiven Medienwissenschaft, der Soziologie, der Fernsehwissenschaft und der Videospielforschung werden wir der Frage nachgehen, wie Zuschauer auf zeitgenössische Medienfiguren auf emotionaler Ebene reagieren. Wir werden analysieren wie mediale Figuren Gefühle wie Empathie, Sympathie und Antipathie im Publikum auslösen und durchleuchten, ob und inwiefern sich unsere emotionale Bindung zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Figuren unterscheidet.
Das Seminar findet auf Deutsch statt. Es wird jedoch erwartet, dass die Kursteilnehmer/innen mit englischen Texten und Sichtungen umgehen können. Die Seminarleistungen können sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch erbracht werden.
- Profesor: Oliver Kröner
"It's still real to me, damn it!" - Professionelles Wrestling, Fernsehgenre und modernes Fantum
Professionelles Wrestling (Pro-Wrestling) verknüpft auf aufregende Art und Weise Elemente des Theaters, der Seifenoper, sowie von Sport- und Reality-TV Sendungen und fügt diese zu einem „postmodernen Mélange“ zusammen. Pro-Wrestling hebt sich insbesondere dadurch von anderen Unterhaltungsformen ab, dass es serielle Geschichten in einem Live-Kontext erzählt, deren Entwicklung maßgeblich durch die Partizipation des Publikums vor Ort und den Fans zuhause bestimmt wird.
In diesem Seminar nutzen wir Pro-Wrestling als Ausgangspunkt, um zentrale Aspekte der Fernsehtheorie (z.b. Serialität, Liveness, Genre) greifbar zu machen. Nachdem wir Pro-Wrestling definiert haben, werden wir im ersten Teil des Seminars die historische Entwicklung dieser Unterhaltungsform nachzeichnen, angefangen bei ihren Ursprüngen im amerikanischen Karneval. Im Rahmen dieses historischen Überblicks werden wir vor allem untersuchen, wie die Erzählweise von Pro-Wrestling durch das Fernsehen transformiert wurde und ergründen, ob Wrestling als eigenes Fernsehgenre verstanden werden kann.
Der zweite Teil des Seminars wird sich auf die Rezeption von Wrestling-Sendungen konzentrieren. Wir werden hier insbesondere Schlüsselbegriffe aus dem Bereich Fan-Studies aufgreifen (z.b. kulturelles Kapital, participatory culture, transmedia storytelling) und diese anhand von Wrestling-Beispielen, sowie anderen medienkulturwissenschaftlich-relevanten Beispielen (z.b. Game of Thrones, The Wizarding World, Star Wars) entschlüsseln. Zudem werden wir in der zweiten Hälfte des Seminars Pro-Wrestling verstärkt im gesellschaftlichen Kontext untersuchen. D.h. wir werden z.b. kritisch hinterfragen, welche Geschlechterbilder Pro-Wrestling vermittelt und analysieren, inwieweit moderne Wrestling-Sendungen zeitgenössische kulturelle, soziale und politische Strömungen in den USA widerspiegeln.
Wir werden in diesem Seminar vorrangig Wrestling-Sendungen der beiden derzeit größten amerikanischen Wrestling-Ligen WWE (World Wrestling Entertainment) und AEW (All Elite Wrestling) als Fallbeispiele nutzen, uns jedoch auch auf ausgewählte Beispiele aus anderen Ligen wie z.b. New Japan Pro-Wrestling und Stardom beziehen. Darüber hinaus werden wir uns mit einer Reihe von Filmen und Fernsehserien befassen, die Pro-Wrestling als zentrales Thema aufgreifen wie z.b. Glow (Netflix, 2017 – 2019), The Wrestler (Darren Aronofksy, USA, 2008), The Iron Claw (Sean Durkin, USA/UK, 2024), Beyond the Mat (Barry W. Blaustein, USA, 1999) und Dark Side of the Ring (Vice, 2019 – ).
Anmerkung: Es ist geplant, im Rahmen dieses Seminars gemeinsam eine Wrestling-Veranstaltung in Oberhausen zu besuchen. Wir werden diese Exkursion gemeinsam in den ersten Wochen des Seminars planen.